WEICH UND PRÄZISE
2nd December 2009
NDR Kultur reviews the Hamburg performance

Ein Kind zündet eine Kerze an. Doch die Kerze ist keine Kerze, sondern nur das Bild einer solchen, und in Sekundenschnelle verbrennt unsere Illusion einer angenommenen Realität. Dieses erste kurze Video von Robin Rhode war Programm des Abends. Schumanns Kinderszenen spielte Leif Ove Andsnes im abgedunkelten Konzertraum weich und präzise, mit einer zwingenden Intimität. Dabei half ihm das Licht: Hell beleuchtet waren nur Hände und Tasten.

Solchermaßen den Tönen ausgeliefert hörte man intensiver. Und dann Mussorgskys Bilder einer Ausstellung: Die akustische Bewegung des Gnomus am Klavier wurde bei Rhode zum Skulpturenspiel aus Draht, das Ballett der Küken in ihren Eierschalen zum gefährlich tanzenden Zirkel zwischen Kinderfingern.

Am Ende ist im Klangmeer des Großen Tores zu Kiew ein Flügel geflutet und versenkt worden. Nicht alle, aber viele Videobilder Robin Rhodes waren so stark, dass sie den Mussorgsky des 19ten Jahrhunderts kurzfristig ins 21. Jahrhundert trugen. Und Andsnes war der Meistermaler am Klavier.

Petra Ries, NDR Kultur 2nd December 2009

For a clip from the audio broadcast visit:http://www.ndrkultur.de/media/audio22074.html


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