MUSSORGSKY TANZT JETZT MULTIMEDIAL
30th November 2009
Abendzeitung interviews Leif Ove before the Hamburg Concert

Von Argrich bis Tokarev - diese Woche dominiert der Steinway! Dazu setzen Pianist Leif Ove Andsnes und Performance-Künstler Robin Rhode die "Bilder einer Ausstellung" neu in Szene. Die AZ sprach mit dem Norweger. Er trägt aus Prinzip keinen Frack. In Jeans spielt sich’s eh bequemer. Und auf den ersten Blick schaut er mit seinen Stoppelhaaren und dem smarten Lachen nach Kalifornien und Surfen aus. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen, wenn Leif Ove Andsnes am Flügel sitzt, zählt nur noch die Musik. Dann geht er auf Seelensuche, unprätentiös, feinfühlig. Und gibt sich experimentierfreudig. Mit dem Aktionskünstler Robin Rhode – seine Installationen waren vor zwei Jahren im Haus der Kunst zu sehen – setzt der stille Star am Piano Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in einen völlig neuen Rahmen. Das Ergebnis ist am Mittwoch im Prinzregententheater zu erleben.

AZ: Herr Andsnes, träumt ein klassischer Musiker nicht manchmal von der knackigen Bühnenshow eines Popstars?

LEIF OVE ANDSNES: Echt? Da würde uns ja Aufmerksamkeit verloren gehen...

AZ: Was steckt dann hinter Ihrem Mussorgsky-Projekt?

LEIF OVE ANDSNES: Wir wollten ein neues künstlerisches Feld betreten und Bild und Klang, Sehen und Hören, wirklich zusammen bringen.

AZ: Was bei den „Bildern einer Ausstellung“ ja nahe liegt.

LEIF OVE ANDSNES: Unbedingt, sie waren der Ausgangspunkt. Mussorgskys Musik ist extrovertiert, theatralisch. Sie schreit nach einer Visualisierung. Umgekehrt ließ sich der Komponist ja von den Bildern seines Freundes Viktor Hartmann inspirieren.

AZ: Und wie sind Sie gerade auf Robin Rhode gestoßen?

LEIF OVE ANDSNES: Ich habe mich bei verschiedenen Videokünstlern umgesehen, und was ich von Robin sah, gefiel mir sofort.

AZ:Was hat Sie angesprochen?

LEIF OVE ANDSNES: In seinen Arbeiten ist etwas sehr Musikalisches. Geschwindigkeit, Raum und Rhythmus erzählen hier Geschichten.

AZ: Wie ging das Team vor?

LEIF OVE ANDSNES: Robin kannte kaum klassische Musik. Also haben wir viel über das Werk gesprochen, ich gab ihm meine Aufnahmen. Und er hat das in seine Sprache übersetzt. Zum Beispiel Hartmanns durchaus politische Illustrationen weitergedacht: Aus dem Ochsenkarren der armen Juden wurden Wagen, die die Arbeiter in die Minen Südafrikas gebracht haben.

AZ: Sie spielen im Konzert noch Schumanns „Kinderszenen“. Auch mit Video?

LEIF OVE ANDSNES: Nein! Das ist viel zu intim. Aber man geht hier auch durch ein Galerie – die der Kindheit.

AZ: Am Ende der Mussorgsky-Bilder tauchen Sie mit dem Flügel in den Fluten ab.

LEIF OVE ANDSNES: Im Video! Für das monumentale „Tor von Kiew“ brachten wir das Piano in ein Schiffsdock – und während ich spielte, gingen die Schleusen auf.

AZ: Autsch, da versinkt ein wertvoller Flügel in den Fluten!

LEIF OVE ANDSNES: Der war schon ziemlich alt und sollte eh entsorgt werden...


Pictures Reframed, 2. Dezember, 20 Uhr, Prinzregententheater, 30 bis 52 Euro, Tel.936093
Christa Sigg, Abendzeitung
http://www.abendzeitung.de/kultur/149591

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